ADHS in der Schule:
ADHS-Funktionsweise in der Schule: Wenn Fortbildung zur täglichen Praxis wird
Autorin: Dr. Ilaria Obbili, Psychotherapeutin – Ärztliche Leiterin Ambulatorio Fachambulanz PECOM – Bozen (Trentino Südtirol)
Der modulare Fortbildungskurs von PECOM für Lehrkräfte aller Schulstufen wird mit großer Beteiligung und spürbarem Engagement fortgesetzt. Er ist im Landesfortbildungsplan für das Schuljahr 2025/2026 des Amtes für Fortbildung und Didaktik der Autonomen Provinz Bozen verankert.
Der Titel des Kurses lautet: „DAS FUNKTIONIEREN VON ADHS – Evidenzen, bewährte Praxis und praktische Strategien“. Heute über ADHS zu sprechen bedeutet, über Etiketten hinauszugehen und zu lernen, Verhalten zu verstehen – noch bevor man handelt.
Ein Kurs, der vom Funktionieren ausgeht
In den bereits durchgeführten ersten Modulen haben die Lehrkräfte aktiv und interaktiv an zentralen und sehr praxisnahen Themen gearbeitet:
- Modul 1 – ADHS und kognitiv-emotionales Funktionieren
Einführung in ADHS, zentrale Merkmale und Auswirkungen auf die Entwicklung.
Großer Raum wurde praktischen Strategien zur Verhaltenssteuerung und zur emotionalen Regulation gewidmet. - Modul 2 – ADHS: Erkennen und Intervenieren
Instrumente zur frühen Identifikation sowie Überlegungen zu inklusiven Strategien, die der gesamten Klasse zugutekommen – nicht nur Schülerinnen und Schülern mit Diagnose. - Modul 3 – Motivation bei ADHS
Ein besonders geschätztes Modul, das sich der Bedeutung positiver Verstärkung und altersgerechter motivationaler Techniken widmete. Denn Motivation lässt sich nicht verordnen – sie wird gemeinsam aufgebaut.
Die Lehrkräfte brachten reale Beispiele, konkrete Fragen und authentische Zweifel ein. Ein klares Signal: Wenn Fortbildung die Sprache der Schule spricht, antwortet die Schule.
Auf dem Weg zu den letzten beiden Treffen: Geschlecht, Komplexität und Netzwerkarbeit
Der Kurs wird nun mit zwei besonders erwarteten Modulen fortgesetzt:
- Modul 4 – Geschlechtsunterschiede bei ADHS (Februar)
Ein grundlegendes und oft unterschätztes Thema: zu erkennen, wie sich ADHS bei Mädchen und Jungen, bei jungen Frauen und jungen Männern unterschiedlich äußern kann, und die Interventionsstrategien entsprechend anzupassen (ja, auch Mädchen können ADHS haben … sie „verbergen“ es nur häufig besser). - Modul 5 – Häufige Komorbiditäten bei ADHS (März)
Hochbegabung, Autismus, Angststörungen, Depression, schwere Beeinträchtigung des Sozialverhaltens und sozialer Rückzug.
Ein wichtiger Mehrwert: das Interventionsprotokoll in Krisensituationen
Während Modul 5 haben wir die Ehre, Dr.in Donatella Arcangeli, Primaria des Landesdienstes für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (Südtiroler Sanitätsbetrieb), als wissenschaftliche Leiterin des Interventionsprotokolls in Krisensituationen – Umgang mit schweren Verhaltensproblemen in der Schule begrüßen zu dürfen. Dieses Dokument stellt einen landesweiten Referenzrahmen für die frühe Erkennung und die Aktivierung strukturierter Interventionen dar.
Ein besonders wertvolles Protokoll, weil es:
- den Fokus von Bestrafung hin zu Prävention und De-eskalation verlagert;
- klare und gemeinsam getragene Verfahren zur Bewältigung kritischer Situationen bereitstellt;
- die Netzwerkarbeit zwischen Schule, Familie sowie gesundheitlichen und pädagogischen Diensten stärkt;
- das Wohlbefinden der Schülerin bzw. des Schülers und der gesamten Schulgemeinschaft schützt.
Kurz gesagt: ein gemeinsam getragenes Vorgehen, das Lehrkräfte entlastet und Familien aktiv in den Prozess einbindet.
Heute ausbilden, um morgen besser arbeiten zu können
Wir sind fest davon überzeugt, dass die Fortbildung von Lehrkräften eines der wirksamsten Instrumente der Prävention ist.
Wenn Schule und Familie das Funktionieren verstehen, handeln sie gemeinsam auf die angemessenste Weise.
Erst nachdem wir verstanden haben, können wir reagieren und handeln.
Wenn Sie sich für dieses Thema interessieren oder Fragen haben, kontaktieren Sie uns:
- Telefon & WhatsApp: 320 76 46 254
- e-mail: segreteria@pecomcare.it
- Ort: PECOM – Ambulatorio Fachambulanz, Freiheitsstraße 15, Bozen, 1. Stock; wenn Sie möchten, kann das Gespräch auch online stattfinden.
Dr. Ilaria Obbili
Gesundheitsdirektorin PECOM
Psychotherapeutin